Von fla­chen Müll­ber­gen und spar­sa­men Servern

29. April 2021

 

 

Ein Gespräch mit Dr. Volker Teichert über das Umweltmanagement der BUGA

 

Die BUGA 23 will die nachhaltigste Bundesgartenschau aller Zeiten werden. Dazu startete Anfang des Jahres 2021 das Umweltmanagement. Das klare Ziel ist die Zertifizierung nach dem europäischen Siegel EMAS. Dr. Volker Teichert von der Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft und der Beratungsfirma NIKUS in Heidelberg ist absoluter Experte auf diesem Gebiet und führte schon die Bundesgartenschau Heilbronn 2019 zu einem zertifizierten Umweltmanagement. Seit Januar unterstützt er die BUGA 23 bei ihrem Vorhaben und stand uns daher gerne Rede und Antwort.

 

Was sind die Grundprinzipien von EMAS? Wie kommen die Organisationen zum Zertifikat?

EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“: Es wurde 1996 von der Europäischen Union entwickelt, um Organisationen bei der Einführung eines Umweltmanagements zu unterstützen. Der Grundgedanke ist, dass Organisationen selbst auf die Einhaltung der Umweltgesetze achten. So sollen die Umweltstandards optimiert werden. Anfangs konzentrierte sich das Programm nur auf die Industrie, mit der Zeit kamen Schulen, Hochschulen, kirchliche Einrichtungen sowie Großveranstaltungen hinzu.

Die Organisationen, die EMAS zertifiziert werden wollen, setzen selbst ihre Ziele und realisieren diese. Dazu wird zunächst immer eine aktuelle Bestandsaufnahme gemacht anhand derer das weitere Vorgehen sowie die Umweltpolitik geplant werden kann. Nachdem dieser PDCA-Zyklus – also Plan-Do-Check-Act – durchlaufen wurde, kommt abschließend der/die Umweltgutachter*in auf den Plan.

 

Wie stellt sich die BUGA 23 auf und welche Aspekte werden im Umweltmanagement besonders berücksichtigt? 

Im Zuge von EMAS wird die BUGA zusätzlich einen Nachhaltigkeitsbericht anfertigen. Dort werden weitere spekte inbezogen. Es geht dabei also um die Reduktion des Strom- und Energieverbrauchs sowie der Abfallmengen, aber auch um den bewussten Einsatz nachhaltiger Produkte.

Außerdem wollen wir uns auf die Sustainable Development Goals der UN konzentrieren. In diesen 17 Zielen liegt der Fokus sowohl auf umweltpolitischen als auch auf sozialen Aspekten und mit ihren vier Leitthemen - Klima, Umwelt, Energie und Nahrungssicherung -  gibt es da für die BUGA 23 viele Schnittpunkte.

 

In den nächsten Wochen wird die BUGA 23 auch ihre Umweltpolitik genauer festlegen, was ist darunter zu verstehen?

Mit der Umweltpolitik gibt sich die BUGA 23 eine Art Umweltverfassung und verpflichtet sich zur Einhaltung gesetzlicher Standards und der Reduzierung der Umweltauswirkungen. Mit dem Umweltmanagementsystem wird dann die Einsparung von Ressourcen und die Verringerung von Umweltbelastungen verantwortlich festgelegt.

In welchen Bereichen soll hier angesetzt werden?

Die Mobilität der Besuchenden steht im Fokus: Hier müssen Möglichkeiten für eine nachhaltige Anreise per Rad oder ÖPNV geschaffen werden. Beim Thema Abfall muss die richtige Trennung des Mülls gezielt kommuniziert werden. Zum einen schaffen wir dadurch ein Bewusstsein, zum anderen kann mehr kompostiert werden.

In der Gastronomie sollen viele vegetarische und vegane Gerichte zur Auswahl stehen. Aber wir werden den Leuten auch Bratwurst und Steak anbieten. Besonders wichtig ist es dabei, auf Produkte aus kontrolliertem und regionalem Anbau zu setzen –  Nahrungssicherung ist ja eines der vier Leitthemen der BUGA 23. Auch wird überlegt, ob man die Besucherinnen und Besucher auf der BUGA ihren ökologischen Fußabdruck testen lässt und so ein Bewusstsein für ihr Handeln erzeugt.

 

Zwei essen­ti­el­le Unter­su­chungs­fel­der sind der Strom- und Wasserverbrauch…

Ja, genau. Beim Strom setzt die BUGA ausschließlich auf Öko-Strom. Ein Großteil des Stroms, den die BUGA 23 benötigt, soll auf dem Gelände produziert werden – beispielsweise durch Photovoltaikanlagen. Außerdem werden Systeme eingebaut, die den Stromverbrauch genau erfassen. Damit können wir nachvollziehen, wo und wann ein erhöhter Verbrauch auftritt und diesen so gezielt reduzieren. Aber bestimmte Geräte, wie Server der Computeranlagen oder die Notbeleuchtung auf dem Gelände, müssen auch in der Nacht laufen. Das geht nicht anders.

Bei der Bewässerung ist der Wasserverbrauch vom Wetter abhängig. Mit der so genannten Tröpfchen-Bewässerung kann hier sehr gut vorbeugend gearbeitet werden. In der Gastronomie und bei den Sanitäranlagen können sparsame Geräte und Spülungen genutzt werden.

 

Ein wich­ti­ger Bestand­teil der Unter­su­chung ist auch das Abfall­ma­nage­ment. Wie wer­den denn über­haupt Abfall­men­gen ermittelt? 

Am Ende jeden Tages wird der entstandene Müll gewogen und das Ergebnis protokolliert. Das Ziel ist es, die Müllberge möglichst gering zu halten. Daher soll auf der BUGA 23 gar kein Einweg-Geschirr verwendet werden, sondern ausschließlich nachhaltige Alternativen.

 

Wie nimmt man die Mit­ar­bei­ten­den der Bun­des­gar­ten­schau beim nach­hal­ti­gen Han­deln am Arbeits­platz mit? 

Die Mitarbeiter*innen müssen unbedingt miteinbezogen werden. Der/ die Umweltbeauftragte kann viele Maßnahmen beschließen, aber das bringt nichts, wenn nicht auch die Mitarbeitenden dafür sensibilisiert sind. Deshalb ist es notwendig, dass regelmäßig informiert wird und auch neue Mitarbeiter*innen von Anfang an in das Umweltmanagementsystem eingeführt werden.

 

Wie ist der aktu­el­le Pro­jekt­stand und wie gestal­tet sich das wei­te­re Vorgehen? 

Wir haben jetzt einen Zeitplan erarbeitet. Ein zentrales Thema ist die Umweltpolitik. Außerdem werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie in bestimmten Verträgen ökologische und nachhaltige Standards berücksichtigt werden können. Wir werden darüber diskutieren, wie umfänglich wir Partner in das Umweltmanagement mit aufnehmen - zu denken ist hier an die Lieferanten, die Hotellerie und die Verkehrsunternehmen.

Hier finden Sie das Video zur BUGA 23: Plattform "EMAS! Was bringt ein Umweltmanagement für Nachhaltigkeit und Klimaschutz?".