Prof. Wilfried Rosendahl, Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen sowie Leiter des Forschungsprojekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben”, mit dem Oberschädel eines Höhlenlöwen.

Wir sind Kli­ma

Von Jan Millenet, am 29. Mai 2020

Bundesgartenschau und Museum? Auf den ersten Blick scheint diese Kombination ungewöhnlich. Doch die Zusammenarbeit zwischen den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (rem) und der BUGA 23-Gesellschaft könnte passender nicht sein – findet Professor Dr. Wilfried Rosendahl. „Gerade Mannheim spielt in der Klima- und Umweltforschung eine sehr bedeutende Rolle“, erklärt der Museumsdirektor und Experte im Bereich Klimaforschung und Geschichte.

 
Der Begriff „Eis­zeit“ wur­de hier gebo­ren

„Mannheim ist in verschiedenster Hinsicht ein ganz besonderer Ort“, sagt Wilfried Rosendahl. Und er nennt im gleichen Atemzug Karl Friedrich Schimper, den Mannheimer Naturforscher, der 1837 den Begriff „Eiszeit“ geprägt habe. „Er war es auch, der die Paläoklimaforschung gegründet hat.“ Zudem leben die Mannheimer*innen im sogenannten Oberrheingraben. „Unter unseren Füßen gibt es mehrere Hundert Meter mächtige Ablagerungen aus dem Eiszeitalter, die im Kontext des Klimageschehens entstanden sind. Sie speichern und spiegeln das Klima der letzten paar 100.000 Jahre wider“, präzisiert der Wissenschaftler. Und kann sogar noch weiter Eindruck schinden. Denn die obersten 30 Meter dieser Schichteinheiten im Oberrheingraben heißen nach neuster wissenschaftlicher Gliederung ganz offiziell „Mannheim-Formation“. An ihnen könne man die letzten 400.000 Jahre Klima- und Umweltgeschichte ablesen, so Rosendahl. Besonders die Holz- und Knochenfunde aus diesen Schichten sind wichtige Archive, die im Rahmen eines großen Forschungsprojekts der Klaus-Tschira-Stiftung in den rem mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie erforscht werden.

 
Blick in die Ver­gan­gen­heit

Das seien nur einige wenige Highlights, die Mannheim zu bieten habe, merkt Wilfried Rosendahl an und klingt dabei gar nicht so, als ob er übertreiben würde. „Wir haben hier den forschenden Blick in die Vergangenheit, um das besser zu verstehen, was uns in der Zukunft begegnen wird und wie wir auf verschiedene Veränderungen reagieren müssen“, fügt er hinzu. Und es kristallisiert sich mehr und mehr heraus, warum die BUGA 23 und die rem inhaltlich eben doch sehr gut zusammenpassen: Denn gerade die BUGA richtet mit ihren Leitthemen Klima, Umwelt, Energie und nachhaltige Nahrungssicherung den Blick in die Zukunft. So werden Wilfried Rosendahl und seine Forschungen zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen der Mannheimer Bundesgartenschau und den Reiss-Engelhorn-Museen. „Die Landschaft, in der wir leben und die uns kulturell prägt, ist im Prozess der Klima- und Umweltveränderungen entstanden. Und Landschaft, Nachhaltigkeit, Mensch, Klima, Umwelt sind Teile der BUGA. Es geht nicht um eine exotische Blumenschau, sondern darum, Landschaften zu verstehen und so zu erkennen, wie sie wurden und was sie sind.“

 
Mann­heim und der Kli­ma­wan­del

Doch wie sieht die Kooperation zwischen rem und Bundesgartenschau praktisch aus? Wilfried Rosendahl berät die BUGA 23 als wissenschaftlicher Kurator im Bereich Klima- und Umweltgeschichte. „Die BUGA 23 und die rem arbeiten Hand in Hand, um die Forschungsergebnisse von Professor Rosendahl sichtbar zu machen und das Thema Eiszeit in die Öffentlichkeit zu rücken“, erläutert BUGA-Geschäftsführer Michael Schnellbach. „Die Besucher*innen unserer Bundesgartenschau sollen entdecken, was für ein toller Ort Mannheim ist und wie authentisch er für das brandaktuelle Thema Klimawandel ist.“ Denn an keinem anderen Ort in Deutschland können Bundesgartenschau und das Thema Klima so gut miteinander verbunden werden wie in Mannheim.

 

Bildunterschrift:

Prof. Wilfried Rosendahl, Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen sowie Leiter des Forschungsprojekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben”, mit dem Oberschädel eines Höhlenlöwen.

Copyright: © rem/ Foto: Maria Schumann