Kampf­mit­tel­son­die­rer Tho­mas Plöckl über den Ein­satz in der Feudenheimer Au

Von Jan Millenet, am 27. Januar 2020

Zwei scharfe Brandbomben, eine funktionsfähige Mörsergranate, Sprengbombensplitter, Infanteriemunition – hoch spannend und ein bisschen gefährlich klingt es, wenn der Diplom-Geograph Thomas Plöckl von den Funden auf dem Gelände der Feudenheimer Au erzählt. Er arbeitet für die Firma geomer Kampfmittelbergung, die die Kampfmittelsondierung auf jenem Gelände durchgeführt hat, auf dem bis Ende März 26 neue Kleingartenparzellen entstehen werden.

Mit Com­pu­ter­pro­gramm und GPS

„Für Profis sind die Funde nicht wirklich gefährlich“, sagt Thomas Plöckl beruhigend. Anfangs fährt der Sondierungstrupp lediglich mit einem Träger über den Boden, auf dem sich Messsonden befinden, die alles Eisenhaltige aufzeichnen. „GPS-gestützte Mehrkanal-Gradiometermessung zur Erstellung einer Anomalienkarte“ heißt das Ganze in der Fachsprache. Dabei entsteht auf dem Computer ein Satellitenbild, auf dem die Kampfmittelsondierer wie Thomas Plöckl erkennen, wo sich verdächtige Objekte befinden – jedoch ohne zu wissen, um was es sich konkret handelt.

Mit Hilfe eines Computerprogramms wird berechnet, wie tief die Kampfmittel im Erdreich liegen. „Dabei bewegen wir aber erst einmal nichts“, so der Projektleiter. Mit „wir“ meint Plöckl den Sondierungstrupp vor Ort: den speziell ausgebildeten, leitenden Räumstellenfeuerwerker, einen Geräteführer, der den Bagger bedient, und einen Räumtrupp, der aus mehreren Mitarbeitern besteht.

 

„Ein bunt gemisch­tes Sam­mel­su­ri­um“

In Mannheim besonders spannend: „Die Luftbildauswertung hatte gezeigt, dass da früher Einiges heruntergekommen ist“, erzählt Thomas Plöckl. Und ergänzt lächelnd: „Da dachten wir uns schon, die Fläche ist vielversprechend.“ Nicht damit gerechnet hatten die Kampfmittelsondierer jedoch, in der Feudenheimer Au auf solch ein „buntgemischtes Sammelsurium“ zu treffen, wie es Plöckl ausdrückt. Sie haben zwar keine Sprengbomben gefunden, die einen sofortigen Einsatz des staatlichen Kampfmittelräumdiensts erfordert hätten, wohl aber kleinkalibrige Munition, welche die Sondierer sicher lagern mussten, bis sie vom Kampfmittelräumdienst abgeholt wurden.

Warum der Au-Boden dieses Sammelsurium an Munitions- und Waffenschrott hervorbrachte, das kann Thomas Plöckl nur vermuten. „Eventuell gab es auf dem Gelände eine Vergrabung.“ Früher hätten Soldaten häufig Löcher ausgehoben oder Bombenkrater genutzt, um Munition hineinzuwerfen und mit Erde zu bedecken.

 
Ros­ti­ger Eimer oder Spreng­bom­be?

Die Kampfmittelberger in der Feudenheimer Au haben sie nun geborgen. Das Ausgraben, so Plöckl, sei relativ ungefährlich, da die Erde schichtweise abgetragen werde. Doch Spannung kommt doch bei jeder Sichtung von Fundstücken auf: Ist das ein rostiger Eimer oder doch eine Sprengbombe mit Langzeitzünder?

Dieses Mal kam glücklicherweise keine hochgradig gefährlichen Kampfmittel zum Vorschein und das Gelände war nach vier Einsatztagen fast vollständig abgesucht.

Einen warnenden Hinweis gibt der Kampfmittelexperte dennoch abschließend. Sollte man zufälligerweise auf Munition oder Gegenstände stoßen: nicht anfassen und nicht bewegen; ein Foto vom Standort machen – am besten mit einem Fixpunkt zur besseren Zuordnung – und die Polizei verständigen. Denn: „Von jeglicher Art Munition kann Gefahr ausgehen.“

Die Fotos zeigen verschiedene Fundstücke, die im Rahmen der Kampfmittelsondierung auf dem Gelände der Feudenheimer Au gefunden wurden.