1.000 Bäu­me für das Stadtklima

Von Balthasar Zehetmair, am 30. Juni 2021

 

Lasst uns träumen: 2023. Wir stellen uns einen Sommertag im Juni in der Parkschale Käfertal vor. Im Schatten der saftig grünen Bäume herrscht im Sandkasten des Kinderspielplatzes ein sorgloses Treiben. Ein paar Dreijährige buddeln gemeinsam im Sand und stürzen Kuchen aus bunten Förmchen. In den Baumkronen summt es. Biene, Hummel und Co. saugen Nektar.

Zurück in 2021: Im März wurden die ersten Bäume angeliefert und behutsam in die Erde gesetzt. Täglich nimmt das Spinelli-Gelände der BUGA 23 konkretere Form an. Insgesamt sollen rund 1.000 Bäume im Grünzug Nordost durch die Bundesgartenschau Mannheim gepflanzt werden. Die bis dato 130 in der Parkschale Käfertal gepflanzten Bäume bringen ersten grünen Elan und geben bisher einen Vorgeschmack darauf, was hier in den nächsten Jahren blühen wird.

Im Rahmen der BUGA 23 werden im gesamten Grünzug Nordost rund 1.000 Bäume dauerhaft gepflanzt. Bei der Auswahl der Bäume gibt es in Zeiten des Klimawandels viel zu beachten.

Für Tiere und Menschen entsteht im Norden des Spinelli-Geländes im Zuge der BUGA 23 eine moderne, urbane Parklandschaft mit reichhaltigem Nahrungsangebot für Insekten und mit hoher Aufenthaltsqualität für die Mannheimer*innen.

 

Blü­hen­des Grün

Damit die attraktive Parklandschaft den Mannheimer Bürgern*innen und vor allem den Insekten nachhaltig erhalten bleibt, ist das Klima für die Landschaftsplaner*innen der BUGA 23 ein besonders wichtiger Aspekt bei der Erstellung des Pflanzkonzepts. Gerade in Zeiten des Klimawandels muss der Fokus auch auf jene Baumarten gelegt werden, die mit den Folgen der zunehmenden Erderwärmung langfristig unbeschadet überstehen können. Bäume binden Kohlendioxid und sind für Mensch und Tier unverzichtbar. „Bäume lösen die Klimakrise nicht, aber sie verschieben die Kipppunkte im Klimasystem in die Zukunft und verschaffen der Menschheit wertvolle Zeit, die CO2 – Emissionen zu reduzieren“, stellt die Plant-for-the-Planet Foundation fest. Die Stiftung wurde 2011 gegründet mit dem Ziel, ein Bewusstsein für globale Gerechtigkeit sowie für die Klimakrise zu schaffen und dieser durch Baumpflanzaktionen zu begegnen.

 

© BUGA 23

Wie sieht der Baum der Zukunft aus?

Besonders Extremwetterlagen wie Starkregen oder Kälte- und Hitzeperioden, die zunehmend häufiger auftreten, entwickeln sich zu steigenden Stressfaktoren für Bäume. Auch die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten nimmt dadurch zu. „Vor allem in der Stadt sind die Bäume noch extremeren Situationen ausgesetzt. Von Streusalz und Hundeurin über Versiegelung bis zu Abgasen. Beispielsweise ist auch Wassermangel gerade in der Stadt auf verdichteten Böden ein besonderes Problem“, erklärt Dr. Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Seit 2009 untersucht die Baum-Expertin in dem Projekt „Stadtgrün 2021“ 30 verschiedene Baumarten auf ihre Tauglichkeit als „zukunftsträchtige Stadtbäume“ in Zeiten des Klimawandels. In vier Städten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen werden insgesamt 650 Versuchsbäume beobachtet.

 

Die Anfälligkeit für Schädlinge, die Toleranz für Hitzestress sowie das Erscheinungsbild der verschiedenen Baumarten werden seit 2005 in der Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) dokumentiert. Derzeit werden dort 65 Baumarten unterschiedlicher Herkunft empfohlen, die sich langfristig an die extremen Standortbedingungen im Stadtraum anpassen können. Der städtische Baumbestand speist sich heutzutage größtenteils aus den drei Arten Linde, Ahorn und Platane. Aufgrund der hohen Anfälligkeit für Schaderreger bei monokulturellen Beständen appelliert die GALK dazu in diesen Zeiten des wandelnden Klimas größere Baumvielfalt in die Städte zu bringen.

 

Zwi­schen Stark­re­gen und Hitzewelle

„Für uns war es wichtig ein vielfältiges Pflanzkonzept mit klimaresilienten Bäumen zu erstellen und dabei die geltenden Naturschutzgesetze in der Feudenheimer Au, entlang der Radschnellverbindung und im Klimapark zu berücksichtigen. In diesen Bereichen des Grünzugs Nordost werden daher ausschließlich heimische Bäume gepflanzt, die in der Region ihren Ursprung haben“, erklärt Stefan Häffner, Abteilungsleiter Freiraum I Ausstellungsplanung der BUGA 23.

 

© BUGA 23

Hier, im Norden des Spinelli-Geländes wird sich in den Baumkronen sowohl heimischer als auch nicht-heimischer Gehölze zukünftig eine reiche Insektenpopulation entfalten können. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. sind für unser Ökosystem unersetzbar, als Blütenbestäuber sorgen sie für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Ein vielfältiges und konstantes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst hinein ist notwendig, damit vor allem die Bienen genug Nektar- sowie Pollennahrung haben und sich so Bienenvölker von Jahr zu Jahr entwickeln können.

 

Lecker­bis­sen für Insekten

Mit der Studie „Lebensraum Stadtbaum“ untersuchte Böll in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg die Artenvielfalt von Insekten und Spinnen vergleichend in den Baumkronen heimischer und nicht-heimischer Stadtbäume. Sie kamen zu folgendem Ergebnis: Nur ein Drittel der Insektengruppen war ausschließlich auf heimischen Bäumen zu finden, während ein Viertel der über 200 dokumentierten Insekten-, Käfer- und Spinnenarten dagegen nur  die Kronen der südosteuropäischen, also der nicht-heimischen Arten annahm. 40% der Insektenarten waren in den Kronen beider Baumgruppen zu finden. Als sehr wichtiger Lebensraum und Pollenquelle haben sich dabei auch die Grünstreifen, auf denen die Bäume stehen, erwiesen. „Es wird deutlich, dass man die mit Abstand größte Artenvielfalt im urbanen Umfeld erzielt, wenn man gemischte Alleen pflanzt statt der bisher weit verbreiteten Monoalleen“, erläutert Böll.

 

Wie so oft im Leben: Die Mischung macht’s. Dann sind Tier und Mensch glücklich und zufrieden.