BUGA 23: Jury bewer­tet bei ers­tem Rund­gang die Qua­li­tät der Stau­den­pflan­zun­gen im Luisenpark

Mannheim, 18. November 2021

  • Die im Sep­tem­ber im Lui­sen­park gepflanz­ten Stau­den wur­den die­se Woche beim ers­ten Preis­rich­ter-Rund­gang bewertet.
  • Die drei unab­hän­gi­gen Jury­mit­glie­der haben einen Tag lang die über 7.000 Stau­den begut­ach­tet und Noten verteilt.
  • Erst­mals bei einer BUGA lie­fer­ten die Gärt­ne­rei­en nicht nur die Pflan­zen, son­dern gestal­te­ten ihre Bee­te auch selbst.

 

Bronze, Silber oder Gold? Bis die BUGA 23 – die „Olympischen Spiele der Grünen Branche“ – im April 2023 ihre Tore öffnet, kommen die Stauden-Preisrichter dreimal in den Luisenpark, um vor Ort Qualität, Wuchs und Sortenreinheit der 323 verschiedenen Arten zu inspizieren und bewerten. Diesem nationalen Wettbewerb stellen sich auch die teilnehmenden Staudengärtnereien gerne, die im Herzen des Luisenparks zehn Staudenbeete mit je 90 Quadrat-metern Fläche bestückt und gestaltet haben.

 

Ich schlage vor, wir gehen das alphabetisch durch. Hier ist eine Aster - und dort eine Calamintha - eine Bergminze mit kleinen Blüten. Und Carex ist seitlich überall.“ Vorsichtig bewegt sich Dominik Kühn zwischen den Pflanzen im Beet, beugt sich weit nach vorne, deutet erst nach links und dann nach rechts. Der 39-Jährige arbeitet seit Februar 2021 als Projektleiter in der Abteilung Gärtnerische Ausstellungen der Bundesgartenschau Mannheim und ist für die Staudenpflanzungen zuständig. Heute ist er eine Art Reiseleiter, der die Preisrichter durch die Begutachtung der 7.143 Stauden führt, die im Herzen des Luisenparks auf insgesamt rund 900 Quadratmetern gepflanzt wurden.

 

Gleich zu Anfang erinnert Kühn sicherheitshalber noch einmal an das Bewertungsraster: 9,0 bis 10,0 ist Gold, 8,0 bis 8,9 Silber, 7,0 bis 7,9 Bronze. „Als akzeptable Marktqualität, aber ohne Medaille werden alle Stauden zwischen der Note 5,0 und 6,9 angesiedelt. Alles unter 5 wäre nicht akzeptabel“, so Kühn.

 

„Sortenreinheit ist ein wichtiges Kriterium“, sagt Gerhard Menton-Enderlin. Der Staudengärtner beschäftigt in seinem Kaiserstühler Staudenhof Menton 40 Mitarbeiter*innen und kultiviert zwei Millionen Stauden. „Beim ersten Rundgang ist es immer schwierig, eine Bewertung abzugeben, weil man noch nicht viel sieht. Ich schaue nach der Vollständigkeit der Pflanzen: Sind alle da und leben sie? Die Bewertung erfolgt dann im Laufe des nächsten Jahres, wenn man zu den nächsten Rundgängen kommt und sieht, wie sich die Pflanzen entwickeln“, erklärt der Stauden-Experte.

 

„Klima und Umwelt sind zwei unserer Leitthemen der BUGA 23. Entsprechend spiegeln sie sich auch in allen unseren Pflanzkonzepten wieder“, sagt Lydia Frotscher, DBG-Ausstellungsbevollmächtigte für die Gärtnerischen Ausstellungen der BUGA 23. „Gerade Stauden sind bestens geeignet, dem Klimawandel und den daraus resultierenden heißeren, trockeneren Sommern zu begegnen. Daher freue ich mich besonders, dass die ersten Pflanzungen für einen Wettbewerb der BUGA die Stauden sind – und noch dazu hier an prominenter Stelle im Luisenpark stattfinden.“

 

Auf drei Rundgängen bewerten Susanne Kreisch, Monika Dyballa und Gerhard Menton-Enderlin sowohl die Qualität der Pflanzen als auch die ästhetische Gestaltung der Beete. „Man kann nach dem ersten Rundgang nur eine Tendenz aufzeigen. Wenn eine Pflanze gut aussieht und gesund dasteht, hat sie erst einmal eine gute Note verdient“, findet Susanne Kreisch. Die Gartenbauingenieurin aus Köln durfte ihre Expertise bereits auf der BUGA Erfurt als Stauden-Preisrichterin einbringen.

 

„Ich liebe Stauden! Sind die nicht toll – so saftig, schön und grün“ ruft Monika Dyballa freudig. Die Fachfrau steht derweil vor dem zweiten Beet im Luisenpark, das im Schatten unter Kastanienbäumen liegt – also einen ganz anderen Lebensbereich aufweist als das erste Beet in der prallen Sonne und entsprechend andere Staudenarten beheimatet sind, wie Geißbart, Funkien und Wald-Glockenblume.
„Für meine Arbeit beim Grünflächenamt in Darmstadt nehme ich ganz viele Anregungen mit – gerade das Kies-Sand-Gemisch für sonnige Flächen“, so die Gartenbauingenieurin.

 

Die Preisrichter bewegen die Blätter der Pflanzen hin und her, gehen ganz nah ran. Ist das nicht möglich, hält Dominik Kühn sein einfarbiges Klemmbrett hinter den yuccablättrigen Mannstreu, damit man beispielsweise den dornigen Blattrand genauer erkennen kann.
„Die Preisrichter schauen noch einmal ganz anders auf die Pflanzen. Sie achten z.B. auf die Form der Blätter, die Anordnung der Zacken oder die Maserung“, erklärt Lydia Frotscher. „Sie erkennen ganz kleine feine Unterschiede, die ein Laie kaum erkennen kann. Die einen haben eine bessere Wüchsigkeit oder sind robuster.“

 

Frotscher kennt das Vorgehen von der BUGA in Heilbronn 2019 und weiß, dass die Bewertungen sich über den Zeitraum entwickeln, der von der Pflanzung der Stauden bis zur BUGA liegt. Denn ob aus den verkümmerten braunen Resten mancher Staude im nächsten Frühjahr eine wunderbare Blüte hervorgeht oder ob sie kaputt ist und dort ein Loch im Beet prangen wird, das sieht man erst im nächsten Jahr.

 

Das Ergebnis des ersten Rundgangs kann sich sehen lassen: Die drei Preisrichter sind sich einig: Die Qualität, wie sie sich bisher zeigt, ist rundweg gut und vielversprechend. Sie freuen sich schon auf den nächsten Rundgang im Juni 2022, wenn die Pflanzen sich in voller Blüte zeigen.

 

 

 

 

 

 

Bildunterschrift:

Projektleiter Dominik Kühn geleitet Susanne Kreisch, Monika Dyballa und Gerhard Menton-Enderling durch die Stauden-Beete (v.r.n.l.)

© Foto: BUGA 23